Aktuelles aus Berlin
Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Genossinnen und Genossen,
Der Nationalspieler Mezut Özil ist dieser Tage wohl das am häufigsten genannte Beispiel für gelungene Integration. Jeder fünfte Einwohner in Deutschland verfügt wie Özil über einen Migrationshintergrund, kommt also selbst aus dem Ausland oder ist Kind einer ursprünglich aus dem Ausland stammenden Familie, die in erster oder zweiter Generation in Deutschland lebt. In Städten wie Stuttgart, Frankfurt oder München liegt der Anteil von Bewohnern mit Migrationshintergrund inzwischen bei dreißig bis vierzig Prozent. Bei den unter 5-Jährigen liegt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund in sechs Städten sogar über 60 %. Deutschland wird also immer bunter.
Die erfolgreiche Eingliederung aller Menschen mit Migrationshintergrund ist deshalb eine Kernaufgabe der Politik. Die gelungene Integration entscheidet nicht über den sozialen Frieden in unserem Land. Sie ist auch notwendig für fortgesetzten wirtschaftlichen Erfolg. Nur mit gut ausgebildeten Bewohnern wird es Deutschland gelingen, die Folgen der zunehmend alternden Gesellschaft aufzufangen. Der wachsende Fachkräftemangel wird hier eine große Herausforderung sein, der nur mit einer Integrations- und Bildungsoffensive begegnet werden kann. Entscheidend wird sein, wie sehr die Einbindung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gelingt.
Angesichts dessen sind die Zahlen des achten Berichts zur Lage der Ausländer in Deutschland schockierend, den die Bundesregierung diese Woche vorgestellt hat. Er zeigt eine starke Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bildungswesen. Mehr als 13% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund verlassen die Schule ohne Abschluss. Das sind fast doppelt so viele wie auf Seiten der Jugendlichen, deren Familie keine jüngere Einwanderungsgeschichte hat. Selbst wenn ein Schulabschluss erreicht wird, ist dieser überdurchschnittlich häufig in der Hauptschule erzielt. 43% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund schaffen es nicht, ihre Schulzeit mit mittlerer Reife oder Abitur abzuschließen. Diese Zahl liegt um ein Viertel über den Werten der Deutschen ohne Migrationshintergrund.
Diese Zahlen zeigen, wie wenig erfolgreich unser Bildungssystem darin ist, Chancengleichheit herzustellen. Die soziale und kulturelle Herkunft entscheidet immer noch maßgeblich über den beruflichen Erfolg im späteren Leben. Der Eindruck, dass die ethnische Herkunft die eigenen Möglichkeiten beschneidet, ist fatal. Viele Jugendliche haben deshalb das Gefühl, von dieser Gesellschaft nicht gebraucht zu werden. Das ist sozialer Sprengstoff von hoher Explosionskraft.
Inzwischen ist vielen klar, dass weitgehende Reformen im Bildungswesen notwendig sind, um diesem Problem zu begegnen. Wir brauchen bessere Schulen, in denen länger gemeinsam gelernt wird. Wir müssen vermeiden, dass einzelne Schulen ausschließlich von Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden. Am wichtigsten ist aber ein tiefgreifender Einstellungswandel. Die Ausbildung jedes hier geborenen Kindes ist – unabhängig von seiner Herkunft - eine wichtige Zukunftsfrage. Erst wenn wir das begreifen, ist echte Veränderung möglich.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Wolfgang Nešković
PS: Anbei finden Sie Links zu einem Gastkommentar in der Frankfurter Rundschau und zwei Pressemitteilungen:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2825170_Gastbeitr...
http://wolfgang-neskovic.de/artikel/unionsforderungen-sicherungsverwahru...
http://wolfgang-neskovic.de/artikel/staatsb%C3%BCrger-ans-messer-geliefert





