Ein Linker aus dem WestenEin Linker aus dem Westen

Wolfgang Neskovic in Erkner
15.02.2008

Seit mehr als 2 Jahren ist der Abgeordnete mit seinem Vortrag "Der Sozialstaat als Sozialfall" im Land unterwegs. Ekkehard Freytag, Redaktionsleiter der Märkischen Allgemeinen Zeitung, hat ihn bei seinem Besuch in Luckenwalde begleitet. - Diskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic

LUCKENWALDE - Die Linkspartei ist nicht einfach eine umbenannte PDS. Dies war am Mittwochabend anschaulich im Luckenwalder Kreishaus zu beobachten. Dort war der parteilose Bundestagsabgeordnete Wolfgang Neskovic zu erleben, der Mitglied der Linken-Fraktion ist. Neskovic ist durchaus prototypisch für die Linkspartei zu sehen - allerdings aus westdeutscher Perspektive. „Im Herzen sind wir Genossen, auch wenn ich nicht Parteimitglied bin", sagte der ehemalige Bundesrichter.

Neskovic nahm sich die Zeit, seinen Lebensweg zu schildern und zu erläutern. Er berichtete aus dem Nachkriegs-Westdeutschland, von seinem Werdegang als Kind eines ehemaligen jugoslawischen Kriegsgefangenen. „Heute würde man sagen, dass ich einen Migrationshintergrund habe." Er sei ein Arbeiterkind gewesen - eines von zwei in seiner Gymnasiumsklasse.

Sein Gerechtigkeitsempfinden habe ihn Jura studieren und später Richter, schließlich sogar Bundesrichter werden lassen. Schon früh hätten sich seine „Lebensthemen" gezeigt: soziale Gerechtigkeit und Friedenspolitik. Themen, die ihm letztlich in politischer Hinsicht einen kurvenreichen Werdegang bescherten. So war Neskovic lange Jahre SPD-Mitglied. Doch mit den Sozialdemokraten brach er - wegen der Asylrechtsänderung, der Auslandseinsätze der Bundeswehr, des großen Lauschangriffs. Er wechselte zu den Grünen; bis diese den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr mittrugen. Seitdem ist er parteilos.

Mit Blick auf seine politische Vita stellte Neskovic gleichwohl fest: „Ich bin nicht wankelmütig." Es wirke zwar so, doch sei sein Standpunkt immer gleich geblieben, „der der anderen veränderte sich". Und zu diesen Veränderungen sei er einfach nicht bereit gewesen.

In seiner Tätigkeit als Richter habe er erfahren, dass „diejenigen, die schwach sind, immer schwächer gestellt werden". Hartz IV verstößt für ihn gegen die im Artikel 1 des Grundgesetzes geschützte Menschenwürde. „Von 347 Euro im Monat kann man kein Leben in Würde führen, sondern nur überleben", urteilte der 59-Jährige.

Am Ende des Abends, nach einer offenen Diskussionsrunde, stellte der ehemalige Richter am Bundesgerichtshof dann fest: „Die Justiz funktioniert zu Lasten der Kleinen." Dies sei eine Lebenswirklichkeit. „Und ich sitze hier, Sie sitzen hier, weil wir diese Ungerechtigkeiten bekämpfen wollen", sagte Neskovic. Er selbst werde wohl nicht in die Linkspartei eintreten, aber für die bevorstehenden Wahlen nannte der rechtspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion folgendes Motto: „Man sollte es wenigstens mit den Linken versuchen." Denn nur so gebe es die Chance, dass sich die Dinge ändern.

Von Ekkehard Freytag

© Märkische Allgemeine vom 15.02.2008