Ich wünsche mir eine friedliche Koexistenz
Als Richter am Landegericht Lübeck postulierte Wolfgang Neskovic einst das auf den Cannabis-Konsum gemünzte "Recht auf Rausch". Heute ist Neskovic rechtspolitischer Sprecher der Linkspartei im Bundestag. Ein Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen lehnt er ab. Mit Neskovic sprach Henry Lohmar.
Herr Neskovic, gibt es ein Recht auf Rauch?
Niemand hat etwas dagegen, wenn jemand raucht, solange er andere Menschen damit nicht belästigt. Das Problem ist, dass der Rauch im Wortsinne in der Luft liegt. Wer nur sein Bier trinkt, der schadet maximal sich selbst, beim Rauchen an öffentlichen Orten werden automatisch die Rechte anderer berührt.
Wie steht es mit Ihrer Einstellung zum Rauchen?
Ich bin toleranter Nichtraucher. Mich stört es nicht, wenn andere Leute in meiner Gegenwart rauchen - außer während des Essens.
Machen Sie sich als Passivraucher keine Sorgen um ihre Gesundheit?
Ich kenne das Gesundheitsrisiko, aber ich nehme es in Kauf und möchte auch nicht, dass sich der Staat da mit einem Riesenaufwand einmischt.
Sie finden es nicht einmal unangenehm, wenn Ihre Kleidung nach einem Kneipenbesuch stinkt?
In Kneipen, die total verraucht sind, gehe ich erst gar nicht.
Also brauchen wir Ihrer Meinung nach kein Rauchverbot?
Nein, ich finde es auch nicht in Ordnung, dass man jetzt Jagd auf Raucher macht. Diese Politik ist ziemlich populistisch - das sage ich ganz bewusst als Nichtraucher. Ich würde mir wünschen, dass wir eine friedliche Koexistenz hinbekämen, die ja bislang in den meisten Fällen funktioniert.
Märkische Allgemeine Zeitung, 20.06.2006





